Kritik der Eltern

Aus 2 x 2 der Erziehung
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Kinder brauchen während den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung Ihre Aufmerksamkeit, aber keine Kritik im Sinne einer Beurteilung oder gar Beanstandung ihres Verhaltens. Hingegen brauchen sie sehr wohl Regeln in Form von Abmachungen und später auch in Form von Vereinbarungen.

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Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Während der Phase der Vertrauensbildung geht es vor allem darum, dass Sie als Eltern lernen, den Grundbedürfnissen des Kindes zu vertrauen. Denn nur wenn das Kind diese Grundbedürfnisse möglichst immer, sofort und uneingeschränkt befriedigt sieht, wird sein Vertrauen in die Eltern und somit in das Leben überhaupt bestätigt. Aus dieser Bestätigung wiederum schöpft das Kind das nötige Selbstvertrauen.

In dieser Phase gibt es denn auch nicht den geringsten Grund, das Kind für irgendetwas zu kritisieren ("Ich habe Dir doch gesagt, ...")! Das gilt umso mehr, als dass Kritik für ein Kind in diesem Alter immer gleich sehr existenziell wirkt, es sich also gleich als ganze Person abgelehnt fühlen würde. Als Eltern müssen Sie deshalb bereit sein, zum Beispiel auch das eine oder Missgeschick oder Misstritte in Kauf zu nehmen. Machen Sie dem Kind keinerlei Vorwürfe dafür, sondern trösten Sie es allenfalls, wenn es sich weh getan hat oder traurig ist. Ermuntern Sie es dafür, es wieder zu versuchen und freuen Sie sich mit ihm, wenn ihm etwas gelungen ist. Denken Sie immer daran, dass sich Ihr Kind alle erdenkliche Mühe gibt, sich zu entwickeln und dabei zu lernen.

Ganz ohne Regeln geht es auch in diesem Alter nicht. Bedenken Sie aber, dass Sie als Eltern dafür verantwortlich sind, Sie dürfen also nicht etwa das Kind dafür kritisieren, dass es sich nicht Ihren Vorstellungen gemäss verhält. Dafür dienen Abmachungen, die Sie dem Kind erklären müssen und sich danach vergewissern müssen, dass das Kind sie auch verstanden hat. Und schliesslich müssen Sie auch selbst kontrollieren, ob sich das Kind (und Sie selbst natürlich!) daran gehalten hat.

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Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Wenn das Kind beginnt seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, werden Sie vielleicht den Eindruck haben, dass Ihr Kind plötzlich "mit dem Kopf durch die Wand" will und sich auch durch Ihr inständiges Bitten nicht davon abhalten lassen kann. Das ist nicht etwa ein Grund zur Sorge, sondern vielmehr ein Zeichen seiner gesunden Entwicklung! Allerdings müssen Sie nun dringend lernen, auf diesen Willen angemessen zu reagieren, das heisst, Widerstand zu leisten.

Widerstand bedeutet aber nicht etwa, dass Sie dem Kind irgendwelche Vorwürfe machen ("Du willst einfach immer Deinen Kopf durchsetzen!"), sondern dass Sie lernen, konsequent "Nein!" zu sagen, wenn es eine Grenze übertritt. Dafür müssen Sie sich natürlich zuerst einmal klar sein, wo Ihre Grenzen überhaupt sind (also zum Beispiel welchen Lärm Sie nicht mehr zu tolerieren bereit sind). Wenn das Kind die Grenze überschreitet, müssen Sie mit voller Überzeugung und sofort ein klares "Nein!" ausdrücken - und zwar so, dass Sie vom Kind auch wirklich gehört werden. Es genügt also genau ein Wort. Erst wenn Sie sicher sind, dass Sie gehört und verstanden wurden, können Sie dem Kind in Ruhe die Regeln erklären ("Wenn Du Lärm machen willst, musst Du das in Deinem Zimmer bei geschlossen Türen machen!").

Völlig kontraproduktiv wäre es hingegen, wenn Sie das Kind einfach für sein Verhalten kritisieren ("Du nimmst keine Rücksicht auf mein Ruhebedürfnis!"). Abgesehen davon, dass solche Äusserungen für Kinder in diesem Alter noch schwer zu verstehen sind, haben Sie dem Kind damit weder eine Grenze gesetzt noch eine Regel erklärt. Beides brauchen Kinder aber zwingend, um ihren Willen gewissermassen kultivieren zu können, denn sie werden ganz ohne solche Limitierungen geboren. Sie sind vielmehr auf den Widerstand der Eltern angewiesen!

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Sozialisation bis Pubertät (etwa 4 bis 16 Jahre)

Typischerweise beginnt mit der Pubertät auch die Ablösung von den Eltern. Allerdings leben Jugendliche heutzutage immer länger noch zu Hause bei den Eltern, das heisst, dass die Ablösung weniger auf der physischen, dafür umso mehr auf der mentalen Ebene erfolgt. Das wiederum hat zur Folge, dass sich Jugendliche durch ihr Verhalten, die Musik, die Kleider oder die Freizeitbeschäftigung von ihren Eltern unterscheiden wollen, also auf allen Ebenen, auf denen Sie sich als Eltern längst gewisse Standards eingerichtet haben, die Sie ganz selbstverständlich als "normal" betrachten.

Es ist daher nicht erstaunlich, dass manche Eltern über das plötzliche, vermeintlich eigenartige, Auftreten ihrer Kinder bloss noch den Kopf schütteln. Trotzdem sollten Sie sich mit Kritik zurückhalten. Jedenfalls solange, als Ihre Grenzen nicht überschritten werden. Sie müssen also differenzieren zwischen dem, was Sie als (zu) eigenartig empfinden und dem, was Ihr eigenes Wohlbefinden beeinträchtigt. Typisches Beispiel dafür ist die Musik: Finden Sie die Musik "einfach schrecklich" oder fühlen Sie sich übermässig gestört, wenn Ihre Kinder ihre Musik in aller Lautstärke hören? Im zweiten Fall dürfen und müssen Sie das natürlich thematisieren. Dabei darf es aber eben gerade nicht darum gehen, dass Sie den Musikgeschmack kritisieren, sondern dass Sie zusammen mit dem Kind besprechen, wie ein respektvoller Umgang möglich ist (zum Beispiel durch die Anschaffung von Kopfhörern).

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Ihrem Unmut Luft verschaffen sollen, oder besser schweigen sollen, tut es immer gut, wenn Sie sich an Ihre eigene Jugend und die Reaktionen Ihrer Eltern zu erinnern versuchen. Vielleicht werden Sie darüber erschrecken, was Sie damals Ihren Eltern so alles "zugemutet" haben oder umgekehrt staunen, wie "intolerant" Ihre Eltern damals waren. Die Erfahrung zeigt zudem, dass Sie desto gelassener reagieren können, je mehr Vertrauen Sie in Ihre eigene Erziehungsarbeit haben!

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